Teezeremonie in Japan

Vom 16. September bis zum 7. Oktober 2018 dauerte die diesjährige Japanaustauschfahrt nach Tokyo. Zwölf Schülerinnen und Schüler besuchten unsere Partnerschule Tamagawa-gakuen; mit von der Partie waren Herr Dr. Kreutzer und Frau Möbius. Im Rahmen des umfangreichen Programms konnten wir auch an einer Teezeremonie im schuleigenen Teehaus teilnehmen. Die deutsche Bezeichnung Teezeremonie ist eigentlich etwas irreführend, denn es geht nicht darum, dass dem Tee in irgendeiner Weise gehuldigt würde oder dass um der Form willen ein möglichst striktes Ritual erdacht wurde. Man könnte das Geschehen auch Teezusammenkunft nennen. Dabei geht es einerseits darum, dass der Gastgeber seinen Gästen durch die Bewirtung mit Tee ein ästhetisch möglichst perfektes Erlebnis bieten möchte, wozu auch perfekte Höflichkeit und Manieren zählen (daher rührt die zeremoniell anmutende Komponente). Andererseits dient das Ganze aber eigentlich dazu, diese Zeit des Zusammenseins möglichst bewusst und kontemplativ wahrzunehmen, also um das bewusste Erleben des Hier und Jetzt. Rebecca Sassin hat die Teezusammenkunft in folgendem Text beschrieben. (Kt)

Teezeremonie

Die Teezeremonie ist ein traditionelles Zusammenkommen, bei dem der japanische Matcha aufgegossen wird und es um das Genießen der gemeinsamen Zeit geht. In einem japanischen Garten, der sich über einen Hügel erstreckt, finden wir das Teehaus der Tamagawa-Schule. Wir ziehen unsere Schuhe aus, stellen unsere Taschen ab, gehen durch traditionelle japanische Zimmer und stehen schließlich auf Tatami, japanischen Reisstrohmatten, einem traditionellen japanischen Bodenbelag. In dem Zeremonieraum befinden sich keine Möbel, sondern nur ein Kessel, in welchem das Wasser erhitzt wird, und ein kleines Gestell mit dem Matchapulver und einem Wassergefäß. Rechts davon befindet sich eine Schmucknische in der Wand mit einem kleinen schlichten Blumengesteck und einer Schriftrolle, die an der Wand hängt. Der Gründer der Tamagawa-gakuen („Edelsteinfluss-Lernpark“) hat diese Schriftrolle mit 88 Jahren geschrieben, einem besonderen Alter, da zwei Glückszahlen hintereinander stehen. „Traum“ hat er damals in schöner Kalligraphieschrift gepinselt. Das Blumengesteck hat der Gastgeber extra für uns aus einigen Chrysanthemen zusammengestellt.

Zunächst wird uns die Teezeremonie in ihren Abläufen gezeigt, zum Beispiel, wie man sich richtig hinsetzt oder verbeugt. Wir erfahren, dass von rechts nach links serviert wird, und deshalb sitzen rechts meist diejenigen Gäste, die schon am meisten Erfahrung mit der Teezeremonie haben. Man entschuldigt sich beim linken Nachbarn dafür, dass man vor ihm die Süßigkeit bzw. den Tee erhält. Außerdem erfahren wir, wie man die Teetasse richtig hält, nämlich auf dem rechten Handteller, während die linke Hand stützt.

Wir werden für zwei Durchgänge in zwei Gruppen geteilt, und dann wird es für die erste Gruppe ernst. Zuerst begrüßt der Gastgeber mit einer Verbeugung und Begrüßungsformeln seine Gäste. Dann wird eine kleine Süßigkeit gebracht, die zur derzeitigen Jahreszeit, in unserem Fall dem Herbst, passt. Wir dürfen daher ein Gebäck mit Maronenkern probieren. Eine Süßigkeit wird deswegen gereicht, weil der Matcha bitter ist und die Süße gut mit ihm harmoniert. Der erste Gast muss sich beim Servieren der Süßigkeit gleichzeitig mit dem Gastgeber als Dankeschön verbeugen. Dann entschuldigt man sich mit „Osakini“ bei seinem linken Nachbarn, der dann mit „Dōzo“, also „Nur zu“, antwortet. Dann hebt man den Teller mit der Speise hoch und verbeugt sich gleichzeitig, als ob man die Speise höher stellt als sich selbst, nimmt sich eine Serviette und legt die Stäbchen erst in seine linke Hand, um sie dann mit der rechten Hand richtig von unten greifen zu können. Auf die Serviette, die als Teller dient, legt man dann die Süßigkeit und wischt mit einer Ecke die dafür benutzten Stäbchen ab. Dann wird der Teller mit dem Stapel Servietten an den linken Nachbarn weitergegeben. Es geht der Reihe nach, bis alle fertig sind.

Der Teemeister rührt den Matcha an. Die Gerätschaften, die er benutzt, sind aus Bambus handgefertigt. Die normale Menge Matchapulver sind zwei Löffel, die auch für unseren Tee verwendet werden, aber manchmal nimmt man auch mehr oder weniger. Das Pulver wird natürlich noch mit heißem Wasser aufgegossen und mit einer Art Bambusschneebesen geschlagen und aufgeschäumt. Uns wird gesagt, dass Anfängern, die keine Übung im Schlagen hätten, gern einmal das Handgelenk etwas weh tue, aber so weit kommt es beim Meister natürlich nicht. Dann werden die Schalen mit dem Tee vor die Gäste gestellt. Dazu noch eine Verbeugung, und wie bei der Süßigkeit muss man den linken Nachbarn dafür um Verzeihung bitten, dass man vor ihm an die Reihe zum Trinken kommt. Dieser antwortet natürlich mit „Nur zu!“. Daraufhin nimmt man die Schale in die linke Hand und dreht sie so oft, bis das Muster wieder nach vorn zeigt, da das Muster aus Respekt beim Trinken nicht mit dem Mund berührt werden soll. Nach einem Schluck bedankt man sich beim Teemeister, der den Tee zubereitet hat, mit „Taihen oishū gozaimasu“, was so viel heißt wie „Es ist sehr gut/lecker“. Danach erst darf man den Rest Schluck für Schluck austrinken. Zum Schluss wischt man mit dem Finger kurz über die durch das Trinken nass gewordene Stelle, um diese zu „reinigen“.

Als dann alle fertig sind, kommt der Gastgeber, und man verbeugt sich nochmals gemeinsam, bevor die Teeschale abgeräumt wird. Als alle Schalen dann fortgebracht sind, bedankt man sich nochmals ausgiebig beim Gastgeber.

Viele von uns waren sehr angespannt und hatten zuvor Angst, etwas falsch zu machen. Die meisten hätten erwartet, dass der Matcha-Tee bitterer sein würde. Am Ende waren alle positiv überrascht und beeindruckt, wie wenig man dann wirklich bei der Zeremonie beachten musste. Man hat sich angepasst und dadurch sofort einige Dinge automatisch gemacht. Zu guter Letzt kam wie immer noch ein Gruppenfoto.

Rebecca Sassin

 

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