Was die Gesellschaft zusammenhält
Podiumsdiskussion: Was hält die Gesellschaft zusammen – und was trennt sie
Der gesellschaftliche Zusammenhalt steht unter Druck. Knapp 80 Prozent der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland haben Sorge, dass er zunehmend schwindet. Was hält die Gesellschaft weiterhin zusammen – insbesondere im Hinblick auf öffentlich-rechtliche Medien?
Unsere Schülerzeitung PULS! war für euch bei einer Podiumsdiskussion in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am 17. September 2025 dabei!
ARD, HR1 und Deutschlandradio stellten gemeinsam ihre Studie vor, die einen Einblick gibt, wie die Menschen den Wandel des sozialen Miteinanders erleben und welche Erwartungen sie in diesem Kontext an die öffentlich-rechtlichen Medien richten.
Es waren ziemlich viele Menschen anwesend – alle Altersgruppen – im Saal der Deutschen Nationalbibliothek. Die Sprecher saßen in der ersten Reihe, die Zuschauer in den hinteren.
Louis Klamroth (ARD) und Mirjam Meinhardt (ZDF) moderierten die Diskussion, und Mirjam Meinhardt begrüßte. Die Einleitung: ein Video mit verschiedensten Menschen – Schauspielerinnen, Sängern… Die zentrale Frage: „Gelingt es, unsere Pflichten als öffentlich-rechtliche Medien zu erfüllen?“
Damit war die Diskussion eröffnet, Norbert Himmler, Intendant des ZDF, sprach über das Will-Paradoxon. Je besser es einer Gesellschaft geht, desto sensibler reagiert sie auf Probleme. Dazu zählt z. B. auch, was im Netz passiert – dadurch finden genau 76 % der Menschen in Deutschland, dass der Zusammenhalt schwindet. So entsteht wiederum das Bild, dass es der Gesellschaft schlecht geht…
Auch wurde betont, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt besonders in der Verantwortung der öffentlich-rechtlichen Medien liegt – das steht im Medienstaatsvertrag und ist nicht nur ein Versprechen an den Staat, sondern auch an die Gesellschaft.
Kennt Ihr das Projekt „Über den Tellerrand“? Dort versammeln sich Freiwillige und kochen gemeinsam. Es geht um Sichtbarkeit und darum, Einsamkeit entgegenzuwirken. Laut den Moderatorinnen und Moderatoren sollte so etwas eines der kleinen Dinge sein, die Großes bewirken. Sogar eine einzelne Person fröhlich zu machen, ist schon ein ganzes Stück geschafft!
Dann wurde die Studie per Video vorgestellt, mit einem Vorwort von Jan Schmidt. Die Ergebnisse waren teils erwartet, teils überraschend.
Seit einigen Jahren fragt man sich, wie sehr „polarisierte Debatten und fragmentierte Diskussionsräume“ die Gesellschaft beeinflussen bzw. ob sie noch so zusammenhält wie früher. Und so entstand die Nachfrage nach dieser Studie:
Es beginnt damit, dass 67 % der Deutschen von starkem Zugehörigkeitserleben berichten und 69 % von starker politischer Aktivität.
Was ebenfalls interessant ist: Eine sehr deutliche Mehrheit befürwortet die Idee der Demokratie als Staatsform – aber nur ein Drittel ist mit dem aktuellen Zustand der Demokratie zufrieden.
Auch nimmt die Mehrheit eine Gefährdung des Zusammenhalts wahr; soziale Ungleichheiten werden stärker problematisiert als kulturelle Unterschiede. 38 % stimmten „voll und ganz zu“, dass die deutsche Gesellschaft immer mehr auseinanderfällt.
Man sagt auch, dass häufige Nutzung der öffentlich-rechtlichen Medien mit starker Einbindung im persönlichen Umfeld einhergeht: Unter den Menschen, die in ihrem Umfeld eher starke Zugehörigkeit erleben, gehören 72 % zum Stammpublikum.
Auch wurden die öffentlich-rechtlichen Medien sehr wertgeschätzt: Bei einer Umfrage, welche Einrichtungen am meisten zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen, landeten sie auf Platz 4 – direkt nach Sportvereinen (Platz 1), Wissenschaft (Platz 2) und dem Bundesverfassungsgericht (Platz 3).
Es waren sehr interessante Ergebnisse – um nur ein paar zu nennen.
Dazu kommentierte Prof. Dr. Nicole Deitelhoff (Direktorin des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung). Es ging um Polarisierung in den Themen – und dass diese eigentlich nicht in der Gesellschaft gespiegelt werde. Sie verglich die Gesellschaft mit Menschen um ein Lagerfeuer – sehr bildlich: „Gemeinsame Lager existieren noch.“
Aber Krisen und Probleme haben negative Effekte – dies zeige sich im abnehmenden Vertrauen. Man solle Kommunikation verstärken und Zukunftsvertrauen haben, aber gerade das werde schwieriger. Es war sehr, sehr inspirierend gesagt.
Was man allerdings zur Studie dazusagen muss: ZDF, ARD und Deutschlandradio haben nur 1350 Erwachsene befragt – fast alle davon Stammkundinnen und Stammkunden.
Ist es eine gute Idee, Menschen über die öffentlich-rechtlichen Medien und die Gesellschaft zu befragen, wenn sie selbst mittendrin sind? Zweifelhaft. Genau darum ging es bei der Podiumsdiskussion.
Was können die Öffentlich-Rechtlichen besser machen?
Mehr Programme für Kinder – denn das sind die einzigen Zuschauerinnen und Zuschauer, die man noch gewinnen kann. Erwachsene, die das nicht schauen, bekommt man auch nicht als Stammkundschaft. – Prof. Dr. Nicole Deitelhoff.
„Die Kinder von heute schauen doch nur noch auf Spotify und Facebook“, wurde gesagt. Facebook??? Ganz ehrlich – nutzt das jemand da draußen?? Die sprechen über uns – und haben uns offensichtlich gar nicht gefragt. Eine eigenartige Vorgehensweise, wenn man sich für Demokratiebildung einsetzt…
Das Panel war sehr spannend – viele neue Einblicke und Argumente wurden gehört. Es ging von Krisen über Demokratie bis in die Schweiz. Auch die beiden Staatssekretäre Heike Raab und Benedikt Kuhn hatten viel zu sagen.
Als Heike Raab später gefragt wurde, ob „eine ideale Gesellschaft möglich ist – in der alle zusammenhalten“, erzählte sie, dass der Wert in den kleinen Momenten liegt – die sind ideal. Gilles Marchand (Director of the Media and Philanthropy Initiative, IMP) und Prof. Dr. Deitelhoff diskutierten heftig – was ebenfalls sehr interessant war.Und was hält die Gesellschaft schließlich zusammen? Wir haben alle viel gelernt – und auch ARD, ZDF und Deutschlandradio haben mitgenommen, was sie tun sollten, damit die Gesellschaft nicht auseinanderfällt.
Aber die Anfangs- und Schlussfrage… Die kann man einfach nicht so einfach beantworten.



