Zeitzeugin und Holocaustüberlebende Eva Szepesi
Eine Stecknadel hätte man fallen hören können – so still war es am 10.03.2026 in der Aula. Die Klassenstufen 9 und 10 hatten sich vollständig versammelt, um den Schilderungen der Zeitzeugin und Holocaustüberlebenden Eva Szepesi zuzuhören.
Ihre Geschichte hat sie, begleitet von ihren beiden Töchtern, schon oft erzählt – ein Buch ist daraus entstanden: „Ich war Eva Diamant“ zeugt in Bildern der Illustratorin Stephanie Lunkewitz, die ebenfalls aus Los Angeles angereist war, und in ergreifenden Texten davon, wie die Zwölfjährige zunächst allein vor den Nazis flüchtete, um schließlich doch verhaftet und nach Auschwitz deportiert zu werden. Die Schülerinnen und Schüler waren merklich ergriffen von ihrer Geschichte, umringten sie nach der Veranstaltung, fragten sie nach ihrer auf den Arm tätowierten Häftlingsnummer. Eva Szepesi hat viel Verständnis für dieses Interesse.
Sie beantwortet alle Fragen mit großer Geduld und Präzision, bringt sich für Selfies mit Schülerinnen und Schülern in Position. Genau das ist es, was sie will: gegen das Vergessen arbeiten, damit nie wieder geschieht, was ihr geschehen ist. Auf die Frage, welches Bild aus dem Buch ihr liebstes sei, antwortet sie: der Abschied am Budapester Bahnhof, als sie nicht wusste, dass sie Mutter und Bruder zum letzten Mal sehen würde. Der Bruder, sagt sie, habe ihrer Puppe Erika über die blonden Haare gestrichen. Und dann habe sie einsteigen müssen. Bruder und Mutter fielen ebenfalls der Shoah zum Opfer – lange habe sie nach ihnen gesucht und sie schließlich im Todesregister von Auschwitz gefunden: Auch sie waren dorthin deportiert worden, vermutlich sogar, bevor man Eva Szepesi ebenfalls dorthin brachte. Eine junge Frau habe ihr im Lager geholfen, habe sich wie eine Mutter um sie gekümmert: Stella. Ohne sie hätte sie nicht überlebt. Bis heute sucht sie nach ihr. Nachdenklich schaut Eva Szepesi, als sie das sagt – ihre Geschichte ist noch nicht auserzählt. Sie wird nicht müde, Zeugnis abzulegen von dieser dunkelsten der deutschen Epochen.
Danke für diese beeindruckende Zeitzeugenerfahrung – wir werden sie im Herzen und in Erinnerung behalten.




